80 Jahre Gemeinde Paulinenaue – Eine Serie zur Ortsgeschichte (Teil 5)

21.10.2004

Teil 5

Von Dr. Gabriele Metzner

Die 20er und 30er Jahre

Abb. 1: Paulinenaue zu Beginn der 20er Jahre

Abb. 1: Paulinenaue zu Beginn der 20er Jahre

Schauen wir uns an, was es 1924 schon an Gebäuden und damit Menschen in Paulinenaue gab. Viel, nach heutigem Maßstab gemessen, war es nicht. Ein paar Häuser entlang der Bahn, u.a. das „Gasthaus zu den drei Landkreisen“, das Gutshaus mit einigen Nebengebäuden, die Schule und heutige Kita waren 1922 fertig gestellt worden, das Bahnhofsgebäude natürlich und der Krähenwinkel in der heutigen Straße „Unter den Eichen“. Dr. Werner Schurig kaufte im Gründungsjahr Paulinenaues das Restgut in der Größe von 500 ha. Restgut, weil die Siedlungsgesellschaft begonnen hatte, kleinere und größere Siedlerstellen in Paulinenaue sowie in Eichberge und Bärhorst zu vergeben. Schurig führte die Beregnung auf den trockenen Sandböden ein, er erweiterte den Gemüseanbau: 14 ha Kohl wurden angebaut und in den Gewächshäusern hauptsächlich Gurken und Kohlrabi. Dort, wo heute wieder freies Land ist, wo in der Prof.-Mitscherlich-Allee der ehemalige Kindergarten nach und nach zusammenfällt, waren damals große Erdbeerfelder. Durch Erlass des Preußischen Staatsministeriums vom 8. Dezember 1924 wurde Paulinenaue zur selbstständigen Landgemeinde erklärt. Mit einer Gemarkung von 1382 ha wurde der Ort dem Kreis Westhavelland zugeordnet. Der erste Amtsvorsteher war Friedrich Grundmann. Er wohnte in der Waldstraße und richtete damals auch die erste Sparkasse ein.

Abb. 2: Die Paulinenauer Feuerwehr posiert auf dem Bahnhofsvorplatz.

Abb. 2: Die Paulinenauer Feuerwehr posiert auf dem Bahnhofsvorplatz.

Ein Jahr schneller waren die Sportler in Paulinenaue. Im Gasthaus wurde am 25.11.1923 der Paulinenauer Turn- und Sportverein gegründet. Der Berliner Fußballer Erich Horst und sein Sportkamerad Edmund Engelbrecht waren die Gründer. Arbeiter, durchweg Berliner, die in der Werkstatt von Prof. Goldschmidt arbeiteten, gaben die Anregung dazu. Überhaupt waren die 20er Jahre die entscheidenden Aufbaujahre. Das Landambulatorium entwickelte sich mit der Einrichtung einer Zahnstation, weitere Gutsgebäude wurden errichtet und am 4. März 1929 fanden sich Männer zusammen, um die Bürger des Dorfes vor Schäden durch Feuer zu schützen. Der erste Wehrführer wurde Paul Eickhoff, sein Stellvertreter war Ewald Werner. Erster Mann an der Spritze war Johann Weihrauch.

Abb. 3: Paulinenaue in den 30ern: Die Brandenburger Allee

Abb. 3: Paulinenaue in den 30ern: Die Brandenburger Allee

Am 1. April 1929 bildet sich eine selbstständige Kirchengemeinde. Bisher war der Ort kirchlicherseits gespalten. Zur Kirchengemeinde Selbelang gehörten die evangelischen Christen diesseits der Bahn, zur Kirchengemeinde Pessin die, die jenseits der Bahn wohnten. Und was tut eine Kirchengemeinde, wenn sie sich gründet? Sie muss sich ein Dienstsiegel besorgen, eigen Kirchenbücher und ein Protokollbuch. Und dann, ja und dann entsteht die Frage: Wo kommen wir zusammen? Eine eigene Kirche muss her. Pfarrer Schulz war der Verhandlungsführer. Und los ging es. Nach mehreren Kostenschätzungen, Bitten um Baubeihilfen, wurde in der Bahnhofstraße eine Kirche errichtet.

Abb. 4: Beim Kirchbau (1932)

Abb. 4: Beim Kirchbau (1932)

Und so sah es aus. Im August wurde der Grundstein gelegt, am 4. Dez. 1932 wurde die Kirche durch den damaligen Generalsuperintendenten Dibelius eingeweiht. Nun konnte hier fröhlich geheiratet werden, zuerst tat das das Ehepaar Huth, getauft und konfirmiert werden. Vor 2 Jahren hatte unsere Kirche Geburtstag, sie wurde 70. Nach gründlicher Außenkosmetik erstrahlt sie nun wieder in hellem Glanz, und das nicht nur am Tage.

Abb. 5: Die alte Paulinenauer Trauerhalle (2002)

Abb. 5: Die alte Paulinenauer Trauerhalle (2002)

Der Friedhof in Paulinenaue wurde in den 20er Jahren angelegt, eine Trauerhalle gebaut und, wie der Paulinenauer sagt, die Beerdigungen fanden nun auf dem Sandhügel statt. Bei den Trauerfeiern stand man im Freien, wo es fast immer windig war, es regnete oder schneite. Seit 1998 gibt es eine neue, größere Halle, gebaut als ein ABM-Projekt, daher sehr kostengünstig, doch leider in seiner Außenhaut heute schon wieder sanierungsbedürftig.

Hier geht es weiter zu Teil 6.

Text: Gabriele Metzner; Abbildungen:
(1) Peip’s Taschenatlas und Wanderbuch der näheren und weiteren Umgebung Berlins. 39 farbige Karten und Pläne nebst 165 Seiten Text. 7. Aufl. Stuttgart und Berlin 1927, Blatt 1. (2-4) Gemeindechronik Paulinenaue,
(5) Joachim Scholz.

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