Damals vor 40 Jahren: Paulinenaue im Ausnahmezustand

Joachim Scholz

Georg Drasché fotografierte das Dorf im November 1972 nach dem Sturm „Quimburga“

Wetterlage: Ein Sturmtief überquert mit seinen Ausläufern im Tagesverlauf die DDR. Auf seiner Rückseite wird erneut Kaltluft herangeführt. Wetteraussichten: Bedeckt und zeitweise Regen. Im späteren Tagesverlauf Schauer. Tageshöchsttemperaturen 5 °C-10°C. Stürmisch auffrischender Wind aus Richtungen um Südwest. Nachts Übergang zu wechselnder Bewölkung. Weiterhin Schauer und anhaltend stürmischer Wind. Tiefsttemperaturen bei 4°C.“

Der Wetterbericht für den 13. November 1972 verhieß zwar nicht eitel Sonnenschein, aber dass es so heftig kommen würde wie es dann kam, dürften die Leser der „Märkischen Volksstimme“ nicht geahnt haben. Einen Tag darauf musste das Blatt republikweit 12 Todesopfer bilanzieren, zwei davon im Bezirk Potsdam. Hier wurden allein 300 Orte vom Stromnetz getrennt und in Königs Wusterhausen war ein 245 m hoher Sendemast umgestürzt.

Auch Paulinenaue, das am 13. November zufällig gerade von der Schriftstellerin Gisela Heller aufgesucht wurde, die für eine Radioreportage recherchieren wollte und später einen eindrucksvollen Bericht der unsicheren Stimmung aufzeichnete, auch Paulinenaue hatte Schaden genommen. Georg Drasché von der Institutspost war wie so oft mit der Kamera zur Stelle, um die Folgen der Naturkatastrophe mit dem Fotoapparat festzuhalten. Einige Bilder erschienen in der Januarausgabe der „Paulinenauer Instutspost“, andere landeten im Bildarchiv des Landwirtschaftsinstitutes. Aus diesem Fundus stammen die folgenden Aufnahmen, die Paulinenaue in einem seither nicht mehr da gewesenen Ausnahmezustand zeigen.

Quimburga
Die heutige Mitscherlich-Allee wird von einem umgeworfenen Baum versperrt. Foto: Georg Drasché, 1972.

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Auch auf dem Institutsgelände im Paulinenauer Gutspark – links das Herrenhaus – liegen die Bäume reihenweise flach. Foto: Georg Drasché, 1972.

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Verwüsteter Paulinenauer Gutspark. Foto: Georg Drasché, 1972.

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Blick vom Krähenwinkel auf ein Haus mit Dachschaden Unter den Eichen. Foto: Georg Drasché, 1972.

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Bestandsaufnahme der Schäden am Krähenwinkel. Foto: Georg Drasché, 1972.

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Unter den Eichen hatte „Quimburga“ – so hieß der Orkan – am heftigsten gewütet. Foto: Georg Drasché, 1972.

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„Kein üblicher Schrotthaufen, sondern die Überreste eines Dachteils, das von dem Haus von Dr. Knabe bis vor die Gartentür von Prof. Wojahn geschleudert wurde“, bemerkte damals die Institutspost zu diesem Bild. Foto: Georg Drasché, 1972.

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Wie Betrunkene neigen sich entwurzelte Bäume auf diesem Grundtück Unter den Eichen. Foto: Georg Drasché, 1972.

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Die Straße Unter den Eichen war 1972 noch nicht gänzlich bebaut. Foto: Georg Drasché, 1972.

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Ein umgestürzter Chausseebaum auf der Straße in Richtung F 5. Foto: Georg Drasché, 1972.

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Schäden im Wald hinter dem Ortsausgang, in der Nähe des „Rothen Husaren“. Foto: Georg Drasché, 1972.

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Ein Waldarbeiter zersägt umgestürzte Bäume. Foto: Georg Drasché, 1972.

Quimburga
Am 13. November 1972 war Paulinenaue auf dem Straßenweg nicht erreichbar. Foto: Georg Drasché, 14.11.1972.

Quimburga
Allmählich wird die Brandenburger Allee frei geräumt. Foto: 1972.

Links

Pfeil Bericht über den Sturm in der Institutspost 01/1973 (PDF)
Pfeil Sturmschäden in den nördlichen Gemeindeteilen, 2008

Quelle: Wetterbericht vom 13. November 1972. Märkische Volksstimme. Organ der Bezirksleitung Potsdam der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. 27. Jg. 1972 vom 13.11.1972.

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