{"id":1521,"date":"2008-05-13T12:00:21","date_gmt":"2008-05-13T10:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/paulinenaue.info\/?p=1521"},"modified":"2018-04-13T22:12:59","modified_gmt":"2018-04-13T20:12:59","slug":"ueber-die-ausgrabung-einer-altgermanischen-ansiedlung-bei-paulinenaue-1912-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/paulinenaue.info\/index.php\/ueber-die-ausgrabung-einer-altgermanischen-ansiedlung-bei-paulinenaue-1912-teil-1\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Ausgrabung einer altgermanischen Ansiedlung bei Paulinenaue 1912"},"content":{"rendered":"<div>\n<h2>\u201eEine germanische Ansiedlung aus der sp\u00e4ten r\u00f6mischen Kaiserzeit bei Paulinenaue\u201c<\/h2>\n<h3>Ein Artikel aus der Pr\u00e4historischen Zeitschrift von 1912<\/h3>\n<p class=\"autor\">Zusammengestellt und erl\u00e4utert von Joachim Scholz<\/p>\n<p>Im Jahre 1911 grub der m\u00e4rkische Fr\u00fchgeschichtsforscher Albert Kiekebusch (1870-1935) bei Paulinenaue eine altgermanische Ansiedlung aus. Den Fund, zu dem auch zahlreiche Tierknochen, darunter ein gut erhaltenes Hundeskelett geh\u00f6rten, dokumentierte Kiekebusch in einem Artikel in der \u201ePraehistorischen Zeitschrift\u201c, der hier auszugsweise wiedergegeben und erl\u00e4utert werden soll. Die folgenden Dokumente der Serie &#8222;\u00dcber die Ausgrabung einer altgermanischen Ansiedlung bei Paulinenaue 1912&#8220; geben Einblick in das Leben unserer Gemarkung vor beinahe 2000 Jahren, der Artikel aus dem Jahre 1912 enth\u00e4lt aber auch vergessene Information aus der Zeit des Fundes, beispielsweise \u00fcber Flurnamen, die vor etwa 100 Jahren in Paulinenaue gebr\u00e4uchlich waren.<\/p>\n<\/div>\n<h3>\u201eDer Hund von Paulinenaue ist nicht gegessen worden\u201c<\/h3>\n<div>\n<p>Mit seinem im vierten Band der \u201ePraehistorischen Zeitschrift\u201c von 1912 erschienenen Aufsatz \u00fcber den Fund einer germanischen Ansiedlung auf dem Acker des Paulinenauer Gutsherrn von Knoblauch f\u00fchrt uns der m\u00e4rkische Fr\u00fchgeschichtsforscher Albert Kiekebusch in die nur wenig bekannte Zeit der fr\u00fchen Besiedlung der Paulinenauer Ortslage. Was wir dar\u00fcber in Erfahrung bringen k\u00f6nnen, beruht zum allergr\u00f6\u00dften Teil auf dieser Arbeit, die im Folgenden in ihren ortsgeschichtlich relevanten Passagen wiedergegeben wird. Dem Originaltext Albert Kiekebuschs sollen deshalb hier nur einige Kommentare angef\u00fcgt werden.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"attachment_1530\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/thiele_altgermanisches_gehoeft.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1530\" data-attachment-id=\"1530\" data-permalink=\"https:\/\/paulinenaue.info\/index.php\/ueber-die-ausgrabung-einer-altgermanischen-ansiedlung-bei-paulinenaue-1912-teil-1\/thiele_altgermanisches_gehoeft\/\" data-orig-file=\"https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/thiele_altgermanisches_gehoeft.jpg\" data-orig-size=\"500,235\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"thiele_altgermanisches_gehoeft\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/thiele_altgermanisches_gehoeft.jpg\" class=\"lazyload wp-image-1530 size-full\" src=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/thiele_altgermanisches_gehoeft.jpg\" data-orig-src=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/thiele_altgermanisches_gehoeft.jpg\" alt=\"Abb. 1: Sah so Paulinenaue vor 2000 Jahren aus? 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Jedenfalls stellte man sich zu Kiekebuschs Lebzeiten eine altgermanische Ansiedlung so vor.<\/p><\/div>\n<p>Dass der Ort, an dem heute Paulinenaue liegt, bereits in der Vorgeschichte bewohnt war, ist au\u00dfer in den unpublizierten Nachforschungen des Lehrers Gerhard Hellwig von den Chronisten nicht erw\u00e4hnt oder nur als blo\u00dfe Information unbelegt angedeutet worden. Erst 1390 setzen mit der Wiedergabe der \u00e4ltesten Schriftzeugnisse die meisten Ortsgeschichten ein. Durch die Mitteilung der schon 1911 festgestellten Besiedlung geht Albert Kiekebusch indessen noch um 1000 Jahre weiter zur\u00fcck bis in die sp\u00e4te r\u00f6mische Kaiserzeit, jene relativ kurze Epoche, die sich etwa \u00fcber die ersten 400 Jahre unserer Zeitrechnung erstreckt und deren Bezeichnung sich auch f\u00fcr Gebiete au\u00dferhalb des R\u00f6mischen Reiches eingeb\u00fcrgert hat. So wird sie auch auf die Germanen angewendet, die unser Gebiet besiedelten, bis sie im Zuge der V\u00f6lkerwanderung s\u00fcdw\u00e4rts zogen und f\u00fcr einige Jahrhunderte slawische Wenden ihren Platz einnahmen. Etwa aus der Zeit des Aufbruchs der Germanen stammt der Paulinenauer Fund. Dass dieser so gut dokumentiert ist, verdankt sich vor allem der gr\u00fcndlichen Arbeit Albert Kiekebuschs, eines im Raum Berlin-Brandenburg damals sehr bekannten Arch\u00e4ologen.<\/p>\n<h3>Die pr\u00e4historische Einordnung des Paulinenauer Hauses durch Kiekebusch<\/h3>\n<p>Kiekebusch war Leiter der vorgeschichtlichen Abteilung des M\u00e4rkischen Museums in Berlin und ein ebenso sorgf\u00e4ltiger wie flei\u00dfiger Forscher, der am Ende seines Lebens auf 179 Ver\u00f6ffentlichungen blicken konnte (vgl. Mertins-Kiekebusch 1995, S. 267-281). Die Paulinenauer Ausgrabung ist noch eine seiner fr\u00fcheren Unternehmungen, doch lag die wichtigste Arbeit zu dieser Zeit schon hinter ihm. Auf dem im Entstehen begriffenen Krankenhausgel\u00e4nde in Berlin-Buch waren 1909 bedeutende Reste eines noch wesentlich \u00e4lteren, bronzezeitlichen Dorfes mit mehr als 100 Grundrissen gefunden worden (vgl. Kiekebusch 1923). Auf diesen Fund und auf den eines weiteren bronzezeitlichen Dorfes bei Hasenfelde in der N\u00e4he von M\u00fcncheberg wird in unserem Artikel an einigen Stellen Bezug genommen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1528\" style=\"width: 308px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/kiekebusch_portrait_01.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1528\" data-attachment-id=\"1528\" data-permalink=\"https:\/\/paulinenaue.info\/index.php\/ueber-die-ausgrabung-einer-altgermanischen-ansiedlung-bei-paulinenaue-1912-teil-1\/kiekebusch_portrait_01\/\" data-orig-file=\"https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/kiekebusch_portrait_01.jpg\" data-orig-size=\"298,500\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"kiekebusch_portrait_01\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/kiekebusch_portrait_01.jpg\" class=\"lazyload wp-image-1528 size-full\" src=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/kiekebusch_portrait_01.jpg\" data-orig-src=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/kiekebusch_portrait_01.jpg\" alt=\"Abb. 2: Albert Kiekebusch - m\u00e4rkischer Fr\u00fchgeschichtler und Ausgr\u00e4ber des Paulinenauer Hauses. \" width=\"298\" height=\"500\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27298%27%20height%3D%27500%27%20viewBox%3D%270%200%20298%20500%27%3E%3Crect%20width%3D%27298%27%20height%3D%27500%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/kiekebusch_portrait_01-179x300.jpg 179w, https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/kiekebusch_portrait_01.jpg 298w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 298px) 100vw, 298px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1528\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Albert Kiekebusch &#8211; m\u00e4rkischer Fr\u00fchgeschichtler und Ausgr\u00e4ber des Paulinenauer Hauses.<\/p><\/div>\n<p>Dem im Oktober 1911 ausgegrabenen Paulinenauer Haus gab Kiekebusch in mehrfacher Hinsicht Bedeutung. Es war zum einen ein seltener Beleg germanischer Besiedlung der Mark in vorslawischer Zeit. \u201eBis vor wenigen Jahren kannten wir in der Mark Brandenburg \u00fcberhaupt noch kein Dorf aus altgermanischer Zeit\u201c schreibt Kiekebusch 1916. \u201eJa, man war sogar immer noch im Zweifel dar\u00fcber, ob unsere Vorfahren in D\u00f6rfern nebeneinander wohnten. Die Ausgrabungen der letzten Zeit haben mit unbedingter Sicherheit erwiesen, da\u00df es germanische D\u00f6rfer gab. Ihre Spuren sind uns jetzt an verschiedenen Stellen bekannt geworden. Bei Gro\u00dfbeeren, in Neuk\u00f6lln, bei Paulinenaue, bei Kyritz und St\u00fcdenitz in der Ostpriegnitz und bei C\u00fcstrin sind deutliche Ueberreste solcher D\u00f6rfer gefunden worden\u201c (Kiekebusch 1916, S. 74). Neben diesen Erkenntnissen belegte die Paulinenauer Ansiedlung auch, dass, obwohl mehr als 1000 Jahre j\u00fcnger, \u201eder Grundri\u00df eines germanischen Hauses noch genau dem des bronzezeitlichen Hauses von Buch entspricht\u201c (Kiekebusch 1934, S. 110 f.).<\/p>\n<p>F\u00fcr sehr interessant hielt Kiekebusch auch die Beobachtung, dass in Hasenfelde, einer bislang nur auf die Bronzezeit datierten Siedlung, Gef\u00e4\u00dfreste aufgefunden wurden, die den Paulinenauern glichen und folglich j\u00fcngeren Datums sein mussten. Diese slawischen Scherben aus Hasenfelde neben den fast gleich alten germanischen aus Paulinenaue bewiesen ihm, dass \u201ezwischen ihnen der f\u00fcr die Geschichte der Mark und auch ganz Ostdeutschlands so bedeutungsvolle Bev\u00f6lkerungswechsel\u201c gelegen haben muss (Kiekebusch 1912, S. 159). Schlie\u00dflich dienten dem Forscher die Beobachtungen aus Paulinenaue, Buch und Hasenfelde noch zur Beantwortung weiterf\u00fchrender pr\u00e4historischer Fragen, etwa der nach dem Zeitpunkt der Entdeckung des rechten Winkels oder der Urform von S\u00e4ulen, die er in den St\u00fctzen umlaufender Vord\u00e4cher von H\u00fctten vermutete. Diese allgemeinen Passagen des Artikels sollen hier jedoch weniger interessieren als die f\u00fcr unsere Ortsgeschichte relevanten Fragen danach, wo das germanische Dorf gefunden wurde und was sich \u00fcber den Fund und die Fundumst\u00e4nde sagen l\u00e4sst.<\/p>\n<div id=\"attachment_1527\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/haus_typ_buch_01.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1527\" data-attachment-id=\"1527\" data-permalink=\"https:\/\/paulinenaue.info\/index.php\/ueber-die-ausgrabung-einer-altgermanischen-ansiedlung-bei-paulinenaue-1912-teil-1\/haus_typ_buch_01\/\" data-orig-file=\"https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/haus_typ_buch_01.jpg\" data-orig-size=\"500,364\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"haus_typ_buch_01\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/haus_typ_buch_01.jpg\" class=\"lazyload wp-image-1527 size-full\" src=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/haus_typ_buch_01.jpg\" data-orig-src=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/haus_typ_buch_01.jpg\" alt=\"Abb. 3: Kiekebuschs Rekonstruktion eines Hauses der Bucher Bauform. Den gleichen Grundriss hatte auch das Paulinenauer Haus.\" width=\"500\" height=\"364\" srcset=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%27500%27%20height%3D%27364%27%20viewBox%3D%270%200%20500%20364%27%3E%3Crect%20width%3D%27500%27%20height%3D%27364%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-srcset=\"https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/haus_typ_buch_01-300x218.jpg 300w, https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/haus_typ_buch_01.jpg 500w\" data-sizes=\"auto\" data-orig-sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1527\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Kiekebuschs Rekonstruktion eines Hauses der Bucher Bauform. Den gleichen Grundriss hatte auch das Paulinenauer Haus.<\/p><\/div>\n<div>\n<h3>Zur lokalgeschichtlichen Bedeutung des Fundes<\/h3>\n<p>Dank der dem Aufsatz beiliegenden Karte und einer exakten textlichen Beschreibung l\u00e4sst sich auch heute noch leicht bestimmen, wo genau im Sommer 1911 \u201eder Pflug wieder auf eine gr\u00f6\u00dfere Pflasterung\u201c (ebd., S. 153) gesto\u00dfen war. Es handelt sich um das Feld rechts der Stra\u00dfe nach Br\u00e4dikow, beinahe auf H\u00f6he der heutigen Milchviehanlage. Die Fundstelle liegt etwa 40 Meter s\u00fcdlich der Mittellinie der Berlin-Hamburger Eisenbahn in Verl\u00e4ngerung \u201edes an dieser Stelle hart n\u00f6rdlich der Bahn gelegenen kleinen Geh\u00f6lzes\u201c, das dort auch heute noch zu finden ist. Einige Flurnamen, die vor fast einhundert Jahren in Paulinenaue gel\u00e4ufig waren und uns durch den Artikel \u00fcberliefert werden, sind dagegen in Vergessenheit geraten. So die Bezeichnung \u201eDie Insel\u201c f\u00fcr den kleinen Ausl\u00e4ufer der Pessiner Heide am Luttergraben, der noch vor der Milchviehanlage links an die Kreisstra\u00dfe st\u00f6\u00dft, oder die \u201eHasselberge\u201c an der Jahnstra\u00dfe, die die h\u00f6chste Erhebung der Paulinenauer Gemarkung darstellen und laut Karte etwa auf dem jetzigen Grundst\u00fcck Kopplin (Jahnstra\u00dfe 5b) eine weitere, heute v\u00f6llig vergessene Fundstelle vorgeschichtlicher Besiedlung aufweisen.<\/p>\n<div id=\"attachment_1529\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/standortsuche_googleearth_01.jpg\"><img decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1529\" data-attachment-id=\"1529\" data-permalink=\"https:\/\/paulinenaue.info\/index.php\/ueber-die-ausgrabung-einer-altgermanischen-ansiedlung-bei-paulinenaue-1912-teil-1\/standortsuche_googleearth_01\/\" data-orig-file=\"https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/standortsuche_googleearth_01.jpg\" data-orig-size=\"500,366\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;1&quot;}\" data-image-title=\"standortsuche_googleearth_01\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/standortsuche_googleearth_01.jpg\" class=\"lazyload wp-image-1529 size-full\" src=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/standortsuche_googleearth_01.jpg\" data-orig-src=\"http:\/\/paulinenaue.info\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/standortsuche_googleearth_01.jpg\" alt=\"Abb. 4: Legt man die bei Kiekebusch abgedruckte Karte \u00fcber ein Satellitenbild, kann man den tats\u00e4chlichen Standort der Siedlung direkt an der Bahnlinie ziemlich genau ausmachen (gro\u00dfer gelber Kreis). 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Der kleine Kreis bezeichnet einen Fund aus sp\u00e4terer Zeit, auf den im Artikel nur hingewiesen wird. Karte: Google Earth, 2007.<\/p><\/div>\n<\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<p>Schlie\u00dflich gibt uns der Artikel einige Hinweise auf den letzten Paulinenauer Gutsherrn aus der Familie derer von Knoblauch, Wilhelm Ernst von Knoblauch (1868-1943), der ein gewissenhafter Mensch gewesen sein muss, denn er teilte den fr\u00fchgeschichtlichen Fund auf seinem Acker, zumindest nach Ablauf einiger Zeit, dem M\u00e4rkischen Museum in Berlin mit. Dass Kiekebusch zu Beginn seines Aufsatzes den Gutsbesitzer erw\u00e4hnt, darf man als eine Geste der Anerkennung verstehen.<\/p>\n<h3>Das Geheimnis des Hundes von Paulinenaue<\/h3>\n<p>Am Ende stellt uns der Artikel noch vor ein weiteres R\u00e4tsel. Neben Tierknochen von Ziege, Rind und Torfschwein, die sich in der Umgebung des Paulinenauer Hauses fanden, war man auf dem Grund der Herdgrube auf ein fast v\u00f6llig erhaltenes Hundeskelett gesto\u00dfen. Nach der Lekt\u00fcre der ebenso ausf\u00fchrlichen wie spannenden Passagen um die Tierknochenfunde bleibt die Frage, warum der in der Ofengrube verbrannte, aber nicht verzehrte Hund von den Besitzern des Hauses nicht aus der Herdstelle entfernt worden ist. Auch wenn es sich um eine Opferung gehandelt hat, wie das Gutachten nahelegt: dass das gebratene Tier danach einfach im Ofen geblieben sein soll, bis Kiekebusch es 900 Jahre sp\u00e4ter fand, gibt doch zu denken. Der Artikel l\u00e4sst den Laien hier mit seinen Fragen allein. Haben etwa Dritte den Hund mitsamt dem Haus verbrannt, ist der in der Ofengrube verbliebene Vierbeiner Zeugnis einer Gewalttat, die zugleich das Ende der Paulinenauer Siedlung anzeigt? Waren es gar einziehende Slawen, die jene Urpaulinenauer vertrieben und nur einen verbrannten Hund zur\u00fcckgelassen haben?<\/p>\n<p>All dies war wohl nicht der Fall. Das \u201eReallexikon der Germanischen Altertumskunde\u201c gibt in einem eigens dem Hund und dem Hundegrab gewidmeten Kapitel Auskunft \u00fcber die in grauer Vorzeit \u00fcbliche Praxis der Hundebestattung unter- und auch oberhalb von Feuerst\u00e4tten. Den Hund von Paulinenaue findet man hier neben anderen seiner Zeit- und Artgenossen, die unter T\u00fcrschwellen, in Pfostenl\u00f6chern oder an Hauseing\u00e4ngen mitunter reihenweise begraben worden sind (vgl. Makiewicz 2004, S. 224). Wahrscheinlich also ist der geopferte Hund von seinen Besitzern nach einer eigent\u00fcmlichen Sitte unter der Ofenstelle bestattet worden.<\/p>\n<p>Trotz aller Nachforschungen werden wir es wohl nicht mehr ganz genau erfahren k\u00f6nnen, was sich dort zugetragen hat, wo der Hund, das Torfschwein und die Paulinenauer Germanen, von denen uns Albert Kiekebusch im folgenden Text erz\u00e4hlt, einst lebten. Der Boden ist an dieser Stelle tief gepfl\u00fcgt und alle ihre Reste sind verschwunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"untertitel\"><b>Abbildungen:<\/b> Abb. 1: Aus: Mertins-Kiekebusch (1995), S. 2; Abb. 2: Haus (Grundri\u00df 94). Tafel XII. In Kiekebusch (1923), S. 64; &#8211; Abb. 3: Altgermanisches Geh\u00f6ft. In: Krasszick, A. (1923): Geschichte des Deutschen Volkes. Heft I: Von den Germanen bis 1786. Berlin: Trowitzsch &amp; Sohn, S. 5; &#8211; Abb. 4: Google Earth \u00a9 2007, mit eigenen Erg\u00e4nzungen. <b>Literatur:<\/b> Hellwig, Gerhard (1980): Schreibmaschinenmanuskript zur \u00e4lteren und \u00e4ltesten Pessiner und Paulinenauer Geschichte. Paulinenaue, 6 Seiten. &#8211; Kiekebusch, Albert (1912): Eine germanische Ansiedlung aus der sp\u00e4ten r\u00f6mischen Kaiserzeit bei Paulinenaue, Kr. Westhavelland. Nebst einigen Bemerkungen \u00fcber den Zusammenhang der Grundrisse vom Bucher Typus mit dem altgriechischen Megaron. In: Praehistorische Zeitschrift. 1912, Bd. IV, H. 1\/2, S. 152-165. &#8211; Kiekebusch, Albert (1916): Bilder aus der m\u00e4rkischen Vorzeit. F\u00fcr Freunde der heimischen Altertumskunde, insbesondere f\u00fcr die Jugend und ihre Lehrer. Berlin: Dietrich Reimer (Ernst Vohsen). &#8211; Kiekebusch, Albert (1923): Die Ausgrabung des bronzezeitlichen Dorfes Buch bei Berlin. Berlin: Dietrich Reimer (Ernst Vohsen). &#8211; Kiekebusch, Albert (1934): Deutsche Vor- und Fr\u00fchgeschichte. Leipzig: Philipp Reclam jun. &#8211; Makiewicz, T. (2004): Hund und Hundegr\u00e4ber, \u00a74: Arch\u00e4ologisches, Allgemeines. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Herausgegeben von Heinrich Beck, Dieter Geuenich und Heiko Steuer. Berlin, New York: de Gruyter, S. 217-232. &#8211; Mertins-Kiekebusch, Ingeborg (Hrsg.)(1995): Gedanken und Erinnerungen. Dr. Albert Kiekebusch. Kevelaer: Bercker Graphischer Betrieb GmbH.<\/p>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEine germanische Ansiedlung aus der sp\u00e4ten r\u00f6mischen Kaiserzeit bei Paulinenaue\u201c [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":1530,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_price":"","_stock":"","_tribe_ticket_header":"","_tribe_default_ticket_provider":"","_tribe_ticket_capacity":"0","_ticket_start_date":"","_ticket_end_date":"","_tribe_ticket_show_description":"","_tribe_ticket_show_not_going":false,"_tribe_ticket_use_global_stock":"","_tribe_ticket_global_stock_level":"","_global_stock_mode":"","_global_stock_cap":"","_tribe_rsvp_for_event":"","_tribe_ticket_going_count":"","_tribe_ticket_not_going_count":"","_tribe_tickets_list":"[]","_tribe_ticket_has_attendee_info_fields":false,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[1,40,6,7],"tags":[250,212,211,210,188,213],"class_list":["post-1521","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-dorfentwicklung","category-hier-zuhause","category-historie","tag-fruehgeschichte","tag-germanische-ansiedlung","tag-hund","tag-kiekebusch","tag-ortsgeschichte","tag-roemische-kaiserzeit"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.5 - 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September 2017","format":false,"excerpt":"17.02.2008 Zukunft f\u00fcr das Bahnhofsgeb\u00e4ude Joachim Scholz Paulinenaue besitzt neben dem Herrenhaus nur ein kulturbedeutsames Geb\u00e4ude: seinen klassizistischen Bahnhof. Er hat das Aufbl\u00fchen des Dorfes im 19. Jahrhundert gew\u00e4hrleistet, ihm verdankt Paulinenaue, dass es sich \u00fcberhaupt von seinen einstigen Schwestern Bienenfarm und Lindholzfarm unterscheidet. 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Januar 2024","format":false,"excerpt":"Er ist einer der wenigen \u00f6ffentlichen Orte in Paulinenaue, an dem man zugleich etwas Sinnvolles tun, Leute treffen, sich erz\u00e4hlen und vielleicht sogar erholen kann: unser Friedhof. Selbst wenn niemand hier gerade harkt und hegt, ist man auf dem Friedhof Verwandten, Nachbarn und Freunden nah. 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