Plan zur Vergrößerung des Empfangsgebäudes 1883

Ein unverstellter Blick auf das Paulinenauer Bahnhofsgebäude, wie hier im Jahre 2003 festgehalten, ist durch die Sicherungszäune der ICE-Strecke heute nicht mehr zu erhalten.  Im Laufe seiner Geschichte sind Paulinenaues wichtigstes Gebäude und sein Umfeld mehrfach verändert worden. Der bedeutsamste Eingriff liegt mehr als 140 Jahre zurück. 1880 hatte die Paulinenaue-Neuruppiner Eisenbahn ihren Betrieb aufgenommen. Paulinenaue war jetzt Umsteigebahnhof und brauchte ein größere Empfangsgebäude. Als eines von nur wenigen erhaltenen Dokumenten aus dieser Zeit hat sich der detaillierte Bauplan erhalten. Er zeigt, wie der Paulinenauer Bahnhof 1883/84 seine heutige Gestalt erhielt.

Der Scan des Plans aus dem Unternehmensarchiv der DB enthält mehrere Detailansichten des Gebäudes.

Der älteste Teil des Bahnhofs, erbaut 1847

Der bahnseitig rechts gelegene ist der älteste Teil des Bahnhofs. 36 Jahre existierte er als Solitär in dieser Form.

Der bahnseitig rechts gelegene ist der älteste Teil des Bahnhofs. 36 Jahre existierte er als Solitär in dieser Form.

Der Längsschnitt durch das Gebäude zeigt sogar die Kellergewölbe.

Der Längsschnitt durch das Gebäude zeigt sogar die Kellergewölbe.

Zum Dorf hin und damit in etwas ruhigerer Lage ist im Plan die Wohnung des Stationsvorstehers verzeichnet. 1883 hieß der Paulinenauer Stationsvorsteher Degen. Auf der Bahnsteigseite dagegen befanden sich Schalterzimmer, Postdienstzimmer, und ein Packraum. Wo heute der Zugang zu den Gleisen erfolgt, war ein Ladeperron vorgesehen.

Zum Dorf hin und damit in etwas ruhigerer Lage ist im Plan die Wohnung des Stationsvorstehers verzeichnet. 1883 hieß der Paulinenauer Stationsvorsteher Degen. Auf der Bahnsteigseite dagegen befanden sich Schalterzimmer, Postdienstzimmer, und ein Packraum. Wo heute der Zugang zu den Gleisen erfolgt, war ein Ladeperron vorgesehen.

Der Paulinenauer Bahnhof in den 1930er Jahren. Heute ist dieser Bauteil die älteste in ihrer ursprünglichen Form erhaltene Bausubstanz in Paulinenaue.

Der Paulinenauer Bahnhof in den 1930er Jahren. Heute ist dieser Bauteil die älteste in ihrer ursprünglichen Form erhaltene Bausubstanz in Paulinenaue. Foto: Sammlung Joachim Scholz.

Mittelteil mit Vestibül, Büros und Wartesaal 3. und 4. Klasse

Durch das

Durch das „Vestibül“ tritt man, vom Dorf kommend, auf den Bahnsteig. Das war auch noch 100 Jahre später so üblich.

Längsschnitt durch den mittleren Teil des Bahnhofs. Im Dachgeschoss links, über dem Wartesaal für die dritte und vierte Klasse, ist ein hölzernes Deckengewölbe zu erkennen, das noch heute hinter einer Zwischendecke existiert (s. auch Foto unten).

Längsschnitt durch den mittleren Teil des Bahnhofs. Im Dachgeschoss links, über dem Wartesaal für die dritte und vierte Klasse, ist ein hölzernes Deckengewölbe zu erkennen, das noch heute hinter einer Zwischendecke existiert (s. auch Foto unten).

Der Grundriss des Erdgeschosses lässt erahnen, wie personalintensiv der Bahnhof vor 120 Jahren betrieben wurde. Für 1883, das Jahr, aus dem der Plan stammt, verzeichnen allein die Schulakten mehr als zehn auf dem Bahnhof beschäftigte Personen: neben Stations-Vorsteher Degen den Restaurateur Valentin, vier Weichensteller (Pischel, Wingert, Zernikow und Frielitz) und fünf Wärter (Freier, Jacob, Gerber, Blankenburg und Drewicke). 1904 werden auch noch ein Bahnhofswirt und ein Bahnhofsschaffner genannt. Heute arbeitet niemand mehr im Paulinenauer Bahnhofsgebäude.

Der Grundriss des Erdgeschosses lässt erahnen, wie personalintensiv der Bahnhof damals  betrieben wurde. Für 1883, das Jahr, aus dem der Plan stammt, verzeichnen allein die Schulakten mehr als zehn auf dem Bahnhof beschäftigte Personen: neben Stations-Vorsteher Degen den Restaurateur Valentin, vier Weichensteller (Pischel, Wingert, Zernikow und Frielitz) und fünf Wärter (Freier, Jacob, Gerber, Blankenburg und Drewicke). 1904 werden auch noch ein Bahnhofswirt und ein Bahnhofsschaffner genannt. Heute arbeitet niemand mehr im Paulinenauer Bahnhofsgebäude.

Seit dem Einzug einer Zwischendecke 1935 entzieht sich das Deckengewölbe über dem Wartesaal, der später als Bahnhofsgaststätte genutzt wurde, den Blicken. Foto: J. Scholz, 2012.

Linker Anbau mit Turmgebäude

Möglicherweise war die geplante, mehr als vier Meter hohe Antenne auf dem Bahnhof Grund für die Errichtung des markanten Turmgebäudes. Ob die Antenne hier jemals gestanden hat, ist allerdings zweifelhaft. Auf den ältesten Fotografien des Bahnhofs, die um die Jahrhundertwende entstanden, stehen eine - zeitweise auch zwei - Antennen im Mittelbereich des Bahnhofs, nicht aber auf dem Turm.

Möglicherweise war die geplante, mehr als vier Meter hohe Antenne auf dem Bahnhof Grund für die Errichtung des markanten Turmgebäudes. Ob die Antenne hier jemals gestanden hat, ist allerdings zweifelhaft. Auf den ältesten Fotografien des Bahnhofs, die um die Jahrhundertwende entstanden, stehen eine – zeitweise auch zwei – Antennen im Mittelbereich des Bahnhofs, nicht aber auf dem Turm.

Der Schnitt durch das Bahnhofsgebäude verzichtet an dieser Stelle nicht auf die Darstellung der reichen Auskleidung des 66 qm großen Warteraums für die erste und zweite Klasse. Lange Aufenthalte in Paulinenaue waren keine Seltenheit. Viele Reisende vertrieben sich die Wartezeit mit Postkartenschreiben.

Der Schnitt durch das Bahnhofsgebäude verzichtet an dieser Stelle nicht auf die Darstellung der reichen Auskleidung des 66 qm großen Warteraums für die erste und zweite Klasse. Lange Aufenthalte in Paulinenaue waren keine Seltenheit. Viele Reisende vertrieben sich die Wartezeit mit Postkartenschreiben.

Und über weitere Besonderheiten dürfen wir staunen. So verfügte der Paulinenauer Bahnhof über ein separates

Und über weitere Besonderheiten dürfen wir staunen. So verfügte der Paulinenauer Bahnhof über ein separates „Damenzimmer“ für die begüterten weiblichen Wartenden der ersten und zweiten Klasse, zu dem auch eine eigene Toilette gehörte. An eine Mädchenkammer im Zwischengeschoss über dem Büffet hatte man ebenfalls gedacht.

Wie der Plan zeigt, lag im Erdgeschoss dorfseitig noch die Küche des Restaurateurs Valentin. Mit Herd und Kessel ist dieser Raum auch heute recht gut erhalten.

Wie der Plan zeigt, lag im Erdgeschoss dorfseitig noch die Küche des Restaurateurs Valentin. Mit Herd und Kessel ist dieser Raum auch heute recht gut erhalten. Foto: J. Scholz, 2007.

Abbildungen: Deutsche Bahn AG, Abteilung Konzerngeschichte/Historische Sammlung (KCP) Berlin; Foto: Joachim Scholz, 2007.