50 Jahre Heizhausschornstein 2013 – Wir erinnern an die Erstbesteigung des höchsten Paulinenauer Bauwerks

Joachim Scholz

Der Schornstein am Heizhaus ist (2013) 50 Jahre alt und 34 Meter hoch. „Dass Du da nicht wieder hochkletterst“, warnt Gerlinde Schmidt ihren Mann noch kurz vor unserem Fototermin am alten Heizhaus. Vielleicht war es vor 50 Jahren ähnlich, als beide sich noch gar nicht lange kannten und Wolfgang tatsächlich den 30 Meter hohen, damals frisch erbauten Schornstein bestieg, der als höchstes Bauwerk von Paulinenaue seit einem halben Jahrhundert alle Häuser des Dorfes weit überragt.

Statt des begehbaren Kranzes mit dem Ausgleichsgefäß für die Heizungsanlage, der sich lange Zeit etwa auf halber Höhe des Schornsteins befand, trägt er heute eine Mobilfunk-Sendeanlage, die ihn noch erhöht und jünger erscheinen lässt als er ist. Obwohl er seine ursprüngliche Funktion lange schon nicht mehr wahrnimmt, erinnern Schornstein und Heizhaus noch an den Ausbau der Paulinenauer Infrastruktur in den 1960er Jahren, als das Zentrum des Ortes mit modernen, zentral beheizten Neubaublöcken bestückt wurde. Dass der Turm des Heizhauses damals auch andere Wünsche beflügelte, weiß Wolfgang Schmidt zu berichten.

Wolfgang Schmidt am Paulinenauer Heizhaus

Etwas älter als der Schornstein und etwas kürzer: Wolfgang Schmidt (geb. 1930) ist so etwas wie der Erstbesteiger des markanten Bauwerks. Foto: Joachim Scholz, 2013.


Interview mit Wolfgang Schmidt zum Turmaufstieg vor 50 Jahren

 

Paulinenaue 1963 – Wolfgang Schmidts Fotos vom Heizhausschornstein

Auf den Farbfotos, die Wolfgang Schmidt damals in luftiger Höhe machte, ist das alte Paulinenaue noch gut zu erkennen.

Blick zum Bahnhof 1963

Der Blick zum Bahnhof, dem Wahrzeichen von Paulinenaue, und über ihn hinweg in das Havelländische Luch. Auf der planierten Fläche im Vordergrund beginnen Bauarbeiten für die ersten Neubaublocks. Foto: Wolfgang Schmidt, 1963.

Auch wenn man nach Osten über die Bahnhofstraße zum Lindholz blickt, fällt zuerst das Fehlen des 40 WE-Blocks und der Schulgebäude auf, die erst Jahre später errichtet werden. Auf den freien Flächen wird – damals noch charakteristisch für Paulinenaue – in großem Stil Gartenbau betrieben. Der etwas größere Komplex vorne links ist die 1927 von Bernhard Lungfiel eröffnete, damals von Bruno Czerniak betriebene Bäckerei, die später zur Sparkasse und dann zu einem Wohnhaus wurde. Foto: Wolfgang Schmidt, 1963.

Eisenbahnanlagen

Eine gute Anbindung an den Eisenbahnverkehr nach Berlin und vorteilhafte Standortbedingungen auf dem schnell sich erwämendem Sandboden begünstigten die Entwicklung des Gartenbaus im „Erdbeerdorf“ Paulinenaue. Im Hintergrund sind eine Lokomotive und das nach der Wende abgerissene Mittelstellwerk von Paulinenaue zu erkennen. Foto: Wolfgang Schmidt, 1963.

Paulinenauer Gutshof 1963

Der Paulinenauer Gutshof komplett und in Farbe. Es gibt nur wenige Fotos von den beiden Stallgebäuden, die sie noch mit ihren charakteristischen Turmaufbauten zeigen. Nach einem Sturm in den 1970er Jahren fiel einer der Türme vom Dach. Er barg eine Kupferkugel, die Horst Heinze noch lange in seiner Tischlerwerkstatt aufbewahrte, ohne sie zu öffnen. Wahrscheinlich enthielt sie ortsgeschichtliche Dokumente aus der Bauzeit während des Ersten Weltkriegs. Leider ist die Kugel verloren gegangen. – Das größere Backsteingebäude rechts im Hintergrund war einst Bahnhof der Kleinbahnlinie nach Rathenow. Foto: Wolfgang Schmidt, 1963.

Blick über den Gutshof zur Gärtnerei 1963

Noch ein Schornstein? Tatsächlich verfügte das Paulinenauer Gut schon über moderne Anlagen, bevor es nach dem Krieg Versuchsgut des Institutes wurde. Zu ihnen zählte auch der Schornstein, der vor allem zum Beheizen der Gewächshäuser diente und der sogar auf Karten verzeichnet war. Wenig später ist dieser Schornstein abgerissen worden. Auch den mit Bäumen bepflanzten Graben, der auf der Karte und hier im Foto hinter dem Schornstein gut zu erkennen ist, gibt es heute nicht mehr. Foto: Wolfgang Schmidt, 1963.

 

 

 

 

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