Mit Andreas Möller erhielt Paulinenaue am Wochenende Besuch von einem Autor, dessen letztes Buch „Die Unterschätzten. Warum sich unsere Zukunft auf dem Land entscheidet“ (Rowohlt 2026) derzeit bundesweit große Beachtung findet. Möller wagt darin eine Analyse aktueller gesellschaftlicher Probleme. Die Kapitel heißen „Demokratie“, „Bürokratie“ oder „Energie“. Die Besonderheit aber besteht darin, dass er unser „Land vom Land her zu verstehen“ versucht, wie der bekannte Soziologe Steffen Mau es auf dem Buchrücken anmerkt. Eine Lesung über das Landleben auf dem Land von einem namhaften Autor also: Das versprach, interessant zu werden. Doch würden am Samstagabend auch wirklich Leute zum Veranstaltungsort, in die seit ihrer Sanierung auch für kulturelle Anlässe nutzbare Paulinenauer Dorfkirche, finden? Und wenn nicht, was dann? – „Hätten Sie halt ein Buch über Städte schreiben sollen!“ So was in der Art hätte man dann in Brandenburger Art sagen können.
Aber die Sorgen blieben unbegründet. Die Kirche war gut gefüllt, die Besucher zeigten großes Interesse und Diskussionsfreude. Das überraschte, wie er zugab, auch den Autor selbst. Er hatte sich statt einer eigentlichen Lesung ein offenes Gesprächsformat gewünscht. Mit ihren je spezifischen Zugängen äußerten sich Landwirte und solche, die (typisch für Paulinenaue) keine Bauern sind, sondern Handwerker oder Berlinpendler. Verschiedene Perspektiven fanden Gehör und Andreas Möller den richtigen Ton, um den Abend unterhaltsam und informativ zu gestalten. Wenn auch inhaltlich nicht alle einer Meinung waren, so wünscht man sich doch öffentliches Leben im ländlichen Raum so und nicht anders: Wir bleiben miteinander im Gespräch. Das ist auch nach Meinung des Autors das Besondere am Dorfleben. Von der Welt des Nachbarn kann man sich hier nicht abschotten. Man ist aufeinander angewiesen.

Mit einem Grillstand sorgte der Paulinenauer Kulturverein schon eine Stunde vor Beginn der Lesung für Bratwurstschmaus. Foto: J. Scholz, 2026.
Die Vorbereitung der Lesung lag in den Händen des Paulinenauer Kulturvereins. Maike Kästner hatte über Daniel Fehlauer, den Leiter der Stadtbibliothek Oranienburg, den Kontakt zu Möller vermittelt. Die Moderation übernahm Joachim Scholz. Pfarrer Michael Jurk sei herzlich gedankt für die Überlassung der Kirche an diesem schönen Abend.


Hinterlasse einen Kommentar