Text und Grafiken: Karl-Heinz Wellenbrock
75 Jahre Wetteraufzeichnungen haben wir dem Forschungsinstitut in Paulinenaue zu verdanken. Schon 1951 wurde damit begonnen, Wetterdaten wie Niederschlag, Temperatur in 2 m Höhe sowie in Bodennähe und im Boden, Luftfeuchte und weitere Daten zum Teil mehrmals täglich zu erfassen und in Wetterbüchern aufzuzeichnen. Daraus wurden dann die tägliche Niederschlagsmenge und das Tagesmittel der Temperatur ermittelt. Diese Wetterdaten wurden benötigt, um Einflüsse auf die Entwicklung der Futterpflanzen und der Erträge zu untersuchen.
In den 1980er Jahren wurde begonnen, die monatlichen Niederschlagsmengen und die Durchschnittstemperaturen aller Jahre in Excel-Dateien zu übertragen. Diese Dateien werden bis heute jährlich ergänzt. Somit liegen uns jetzt Daten aus 75 Jahren vor. Uns geht es jedoch nicht um den Einfluss auf das Pflanzenwachstum, sondern darum zu klären, ob sich das Wettergeschehen in Paulinenaue in dieser Zeit verändert hat.
Wenn wir einen Blick auf die Entwicklung der Niederschläge werfen, wird deutlich, dass vom Trend her keine klare Tendenz in irgendeine Richtung erkennbar ist. Es gibt immer wieder Ausreißer nach oben und unten. Die geringste Niederschlagsmenge wurde im Jahr 2003 mit 344 mm gemessen, die höchste im Jahr 2007 mit 948 mm. In diesem Jahr standen fast alle Paulinenauer Keller unter Wasser. Niederschläge weit über dem langjährigen Mittel von 541 mm wurden auch in den Jahren 1956 und 2017 registriert.
Deutlich anders sieht es bei der Temperaturentwicklung aus. Hier ist nach einem leichten Rückgang in den 1960er Jahren ein stetiger Anstieg der Jahresmitteltemperatur zu erkennen. Allerdings traten auch immer wieder Jahre mit deutlich niedrigeren Temperaturen auf, wie 1996 und 2010. Das kälteste Jahr der 75-jährigen Reihe war 1963 mit 7,2 °C, das wärmste 2024 mit 11,8 °C.
Die Frage, ob die Ursachen für den Temperaturanstieg eher in wärmeren Sommern oder Wintern liegen, lässt sich ebenfalls betrachten. Sowohl in den Sommer- als auch in den Wintermonaten ist ein deutlicher Anstieg der Temperaturen im Mittel der Dekaden zu erkennen. Das bedeutet, dass sowohl die Winter als auch die Sommer wärmer geworden sind. Allerdings ist der Anstieg in den Wintermonaten stärker (3,1 gegenüber 2,1 Grad vom niedrigsten zum höchsten Dekadenmittel). Die Jahre 2021 bis 2025 können dabei noch nicht als vollständige Dekade gewertet werden – hier müssen die kommenden Jahre zeigen, ob sich die Tendenz fortsetzt.
Insgesamt zeigt sich auch in Paulinenaue deutlich der Temperaturanstieg. Die Sommermonate sind etwas wärmer, die Wintermonate deutlich milder geworden. Es bleibt interessant, diese Entwicklung weiter zu verfolgen, zumal sich die Monate Januar und Februar 2026 bereits wieder deutlich anders gezeigt haben.
Zum Schluss gilt ein besonderer Dank allen Mitarbeitenden der Forschungseinrichtungen, die die Daten erfasst und zur Verfügung gestellt haben.




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