Text: Anton Scholz (1930–2011)

23.07.2007. Wenn man im April noch an die Propheten glaubte, die Brandenburg eine Versteppung vorhersagten, dann musste man von Mai bis Juli das bittere Gegenteil erfahren. Sehen wir uns dazu einige Niederschlags-Tageswerte an. Am 7. Mai begann es mit 16 mm, am 15. Juni waren es schon 63,2 mm und der Juli setzte noch eins drauf mit 85 mm in 24 Stunden am Sonntag, dem 22. In den drei Monaten Mai bis Juli regnete es ca. 530 mm, das ist mehr als das langjährige Jahresmittel mit 515 mm. Diese Niederschlagsdaten der Institutsmessstation wurden von Dr. Axel Behrendt mitgeteilt. Kein Paulinenauer kann sich an eine derartige Extremsituation erinnern.

Bienenfarmer Weg nach Extremregen am Sonntag, 22. Juli. Foto: A. Scholz, 2007.

Die Auswirkungen dieser Regengüsse waren für viele schmerzlich. Drastischer konnte es wohl kaum deutlich werden, dass die Paulinenauer Ortslage auf Niederungstalsand gegründet ist, der sich nur wenige Meter über den Kanalwasserspiegel erhebt. Und eben dieser Kanalwasserspiegel ist es, der den Basisgrundwasserstand in Paulinenaue bis zur Pessiner Heide hin bestimmt. Wenn bei Starkregen Wasser in großen Mengen versickert, wird auf diesen kanalbestimmten Grundwasserstand eine Etage aufgesetzt. In extremen Situationen übersteigt dann der Grundwasserstand so manche Kellersohlhöhen und das Wasser sickert unweigerlich in die Häuser ein.

Wir sollten aus diesem Extremereignis Lehren ziehen. Die wichtigste Schlussfolgerung ist, dass die nach der Wende von amtlicher Seite gestrichene Grundräumung des Kanals mit Nachdruck wieder durchgesetzt werden muss. Die Krautung allein reicht nicht aus. Schilfbänke schnüren das Fließbett ein, die Sohle des Kanals wächst von Jahr zu Jahr höher und der Wasserlauf funktioniert nicht mehr. Nach dem Kanal folgen in der Dringlichkeit die Ortsvorfluter und dann die Binnengräben mit ihren Durchlässen und Anschlüssen.

Noch am 2. August war der Lindenweg vor dem ehemaligen MZG zu Fuß kaum passierbar. Foto: J. Scholz, 2007.

Man mag vom Klimawandel so viel glauben, wie man will, aber an der Zunahme der Extremsituationen – Dürre einerseits und Starkregen andererseits – zweifelt wohl keiner mehr. Darauf müssen wir uns einstellen und die Bürger sollten nicht nur duldsam Zeche bezahlen, sondern auf die Wasserverantwortlichen der Region entsprechenden Druck ausüben.