Eine Entdeckung, die aktuell und längerfristig Fragen aufwirft
Im März 2026 hat das US-Nationalarchiv die überlieferten Mitgliederkarteien der NSDAP ins Netz gestellt. Mittlerweile stehen verbesserte Suchmöglichkeiten zur Verfügung, um in diesen Beständen zu recherchieren. Bei einer solchen Recherche stieß ich vor einigen Tagen überraschenderweise auf den Namen Karl Knauer (1872–1957), der neben seinem bekannteren Bruder Arthur den ,Lindenhof’ führte und vier Jahre vor diesem verstarb. Aus der Karteikarte geht hervor, dass Karl Knauer – er ist auf dem Titelbild links zu sehen – am 1. Januar 1932 in die Partei aufgenommen worden war.
Die Gebrüder Knauer galten bislang als vom Nationalsozialismus unbelastet. Sie waren eng befreundet mit dem jüdischen Verleger und Pferdezüchter Bruno Cassirer (1872–1942) und Arthur war bereits vor der Nazizeit als Kunstzeichner in das Berliner Intellektuellenmilieu eingebunden. Zwar gab es für die Mitgliedschaft in der NSDAP, die ca. 8,5 bis 9 Millionen Mitglieder hatte, vielfältige Gründe. Häufig war Karrierismus ausschlaggebend und unter NSDAP-Mitgliedern gab es Abstufungen des Grades der Involviertheit in das Nazisystem. Ein früher Eintritt noch vor der Machtergreifung, wie es bei Karl Knauer der Fall war, signalisiert aber doch eine besondere Zustimmung zu den politischen Zielen der Nazis. Was Karl Knauers Biographie angeht, ist noch vieles im Dunkeln. Er war der unbekanntere, eher für die Landwirtschaft zu Hause zuständige Bruder. Nachweisen lässt sich, dass beide Knauers kurz vor Karls Parteieintritt aus der Kirche ausgetreten waren. Mit der Paulinenauer Evangelischen Gemeinde soll es Gerüchten zufolge Konflikte finanzieller Art gegeben haben.
Im Paulinenauer Kulturverein zählt die Beschäftigung mit der Ortsgeschichte zum Vereinsprogramm. Die Entdeckung der NSDAP-Mitgliedschaft von Karl Knauer ist brisant, denn auf Betreiben des Kulturvereins war erst vor einigen Jahren das Grab der beiden Pferdezüchter und ihrer Haushälterin Charlotte Quooß zu einem Paulinenauer Ehrengrab bestimmt worden. Dazu sollten nun mit der Kirchgemeinde Gespräche geführt werden. Vorerst hat sich das Planungskomitee der „Schnellen Vorbeifahrten“, des Paulinenauer Kulturevents, das in diesem Jahr am 6. September ein „Knauer-Gedenkrennen“ veranstaltet, dazu entschlossen, den Lauf in „Arthur-Knauer-Gedenkrennen“ umzubenennen. Der Name Arthur Knauer ist in der Mitgliedskartei der NSDAP nicht enthalten.
[…] Mit dem ersten Paulinenauer Arthur-Knauer-Gedenkrennen (für Zweibeiner) knüpfen wir an diese Tradition an und laden alle – ob alt oder jung – herzlich ein, gemeinsam zum ehemaligen Gestüt zu „rennen“. Ob gemütlich spazieren, walken, joggen oder rennen – jede und jeder ist willkommen. Der drei Kilometer lange Weg führt von der Grabstätte der Brüder Knauer auf dem Paulinenauer Friedhof durch das Lindholz bis zum ehemaligen Gestüt Lindenhof. Am Anfang informiert Joachim Scholz auf dem Friedhof über die Lebensgeschichte der Brüder. Dabei erfolgt eine kritische Einordnung mit der erst vor einigen Tagen entdeckten NSDAP-Mitgliedschaft Karl Knauers. […]