Geschichte von Paulinenaue auf dem Trafohaus
Wer in der vergangenen Woche am kleinen Sportplatz vorbei kam, hielt meist kurz inne oder blieb auch stehen. Das Trafohaus an der Ecke Bahnhofstraße / Prof. Mitscherlich Allee zog die Blicke der Passanten auf sich. Was kurz zuvor noch Union-Ultras als „Werbefläche“ diente bekam zunächst einen neuen Grundierungsanstrich und wenig später war ein Graffiti-Künstler am Werk, der die Trafostation in ein Kunstwerk verwandelte. Mit einer VR-Brille wurden durch Benjamin Siegel von Motiv-Wunsch aus Stahnsdorf die ersten Umrisse aufgebracht und dann entstanden nach und nach die historischen Motive mit Elementen im Jugendstil. Es ergaben sich viele Gespräche mit Benjamin Siegel, der interessante Erklärungen zu seiner Arbeit gab. Vielfach wurde ein großes Lob ausgesprochen und zugerufen. Günter Neumann, der direkt nebenan wohnt, bedankte sich mehrmals mit einem frisch gebrühten Kaffee.
Nun kann man das Bienenhaus von Wilhelm Grabau in seinem ehemaligen Glanz bestaunen. Wer dicht am Trafohaus steht kann sogar ein Summen hören.
Gleich daneben hört man die „Stille Pauline“ fauchen. Unmittelbar auf der Bahnhofsstraße davor verlief früher die Kleinbahnlinie. Bekanntlich führte eine Strecke über Fehrbellin nach Neuruppin und eine zweite über Senzke nach Rathenow.
Tritt man nach rechts, hört man das Rauschen des Wassers vom Kanal am Nadelwehr der Steinbrücke. Heute steht nur noch das, inzwischen vom Efeu überrankte, kleine Fachwerkhaus in dem die „Nadeln“ und andere Materialien gelagert wurden.
Wer dann auf die Rückseite des Gebäudes tritt könnte glauben den Duft von frisch gepflückten Erdbeeren wahrzunehmen. Paulinenaue war durch den Gartenbau und den Erdbeeranbau auch als „Erdbeerdorf“ bekannt.
Mit Vollendung des Kunstwerkes hat Benjamin Siegel in mehr als einer einer Woche Arbeitszeit ca. 60 Dosen spezieller Graffiti-Farbe verbraucht. Er selbst begann seine Karriere als Jugendlicher in ungenutzten und dafür zur Verfügung gestellten Gebäuden und leitete auch Workshops für Jugendliche. Der Weg von einem Graffiti-Sprayer zu einem Graffiti-Künstler erforderte auch die Aneignung von speziellem Wissen und Können über Malerei und Kunst.
Der Energieversorger e.dis hatte zu Beginn des Jahres dem Bürgermeister mitgeteilt, dass das triste Trafohaus neugestaltet werden kann und nach möglichen Motiven gefragt. Die Gemeinde dankt der e.dis für die Finanzierung, dem Künstler für die professionelle Umsetzung und den Ideengebern der Gemeindevertretung für die Motivauswahl. Wir wünschen uns, dass Kunstwerk in seiner jetzigen Gestaltung erhalten bleibt.
Text und Fotos: Eckhard Vierjahn




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